Newsletter 2018-8: Best Ager – Wissen statt Rente!

Newsletter 2018-8: Best Ager – Wissen statt Rente!

Kennen Sie Werner (74)? Werner genießt sein Leben. Es ist eine perfekte Mischung aus Arbeit, Familie und Freizeit. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum bei Werner mit 74 Jahren noch immer die Arbeit einen wichtigen Platz einnimmt ist die Antwort einfach: Weil ihm die Arbeit Spaß macht und er gebraucht wird!

Die Lust im Alter weiter zu arbeiten, ist meist nicht dem Anstieg der finanziellen Herausforderungen geschuldet, sondern der inneren Motivation noch arbeiten zu wollen und auch zu können. Heute arbeiten bereits doppelt so viele Menschen in Deutschland nach Erreichen des Rentenalters als noch 2006. Spaß an der Arbeit und der Wunsch nach einer Aufgabe ist längst kein Vorrecht mehr der Generationen X und Y. Wir werden immer älter. Und das ist gut so, denn auch unsere Lebensqualität steigt mit dem Alter. Laut WHO hat ein 2015 geborener Deutscher 71,3 gesunde Lebensjahre vor sich. Mit 65 Jahren fühlen sich 75 % der Deutschen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch völlig fit und das biblische Alter von 100 Jahren erreichen immer mehr Menschen. Die 50 gilt als gefühlte 30 – wer will also mit 68 Jahren schon daran denken, in Pension zu gehen?

Während die jungen Wilden mit Dynamik, stürmischem Tempo, großer Energie, Risikobereitschaft und neuen Ansichten frischen Wind in die Arbeitswelt brachten, traten wichtige Punkte in den Hintergrund: Manchmal ist man schneller am Ziel, wenn man Abkürzungen kennt, statt mit Vollgas loszurasen. Ein reicher Erfahrungsschatz, bewährtes Krisenmanagement, ein strategischer Gesamtüberblick und das Quäntchen Gelassenheit machen das Ziel darüber hinaus sicherer erreichbar. Wie wichtig diese Komponenten sind, lässt sich an den meisten Start-ups beobachten, die in kritischen Wachstumsphasen zu erfahrenen Mitarbeitern und Beratern (Business Angles) greifen, um mit deren Lebens- und Berufserfahrung die Schlaglöcher zu erkennen, die bei Vollgas gerne übersehen werden. Die Fähigkeit, junge Dynamik mit gestandenem Wissen zu verbinden, gibt einem Jungunternehmer eine Art Weisheit, die andere mit hohem Lehrgeld bezahlt müssen. Viele Jahre wurden „die Alten“ in den Ruhestand geschickt und von der nachfolgenden Leistungsgesellschaft ausgeschlossen, gar verschmäht. Erst seit einiger Zeit erleben wir eine Renaissance, geprägt durch den Respekt vor der Weisheit der Best Ager und dem dringend benötigten Erfahrungsschatz.

Die ersten klassischen Mentoring-Modelle (von oben nach unten) funktionieren jedoch nicht mehr. Vergessen wurde dabei häufig, dass jüngere Mitarbeiter nicht nur neues, junges Wissen, sondern auch völlig andere Lebenswelten und Sichtweisen mitbringen. Nur die Kombination aus altem und jungem Wissen bringt wirkliche Innovationsvorteile – weil Wissen dadurch deutlich vielschichtiger wird. Ein Coaching der Alten durch die Jungen in Bereichen, in denen sie Profis sind, führt zu realem Wissenstransfer, zu Kommunikation und Augenhöhe der „Best of Both Teams“. Eine Trennung durch Lebensjahre entfällt. Unternehmen, in denen das Wissen einzelner, älterer Mitarbeiter, noch schwerer wiegt, sollten schon im laufenden Geschäftsbetrieb mit der Bildung von derartigen Innovationsteams zwingend beginnen, um eine Symbiose von Alt und Jung zu schaffen. Bereits seit 2013 setzt übrigens Daimler mit dem Programm „Space Cowboys – Daimler Senior Experts“ auf das Wissen und Netzwerk seiner Mitarbeiter, die bereits im Ruhestand sind, um den Wissenstransfer an die jüngere Generation zu gewährleisten.

Mit den Eigenschaften, Fähigkeiten und der Weisheit der Alten ist es deutlich einfacher, Krisen und komplexe Herausforderungen in Unternehmen zu meistern. Begreifen auch Sie das Altern Ihrer Mitarbeiter als Chance für die Zukunft der Jungen.