Newsletter 2018-8: New Work – Schrecken ohne Ende oder Chance?

Newsletter 2018-8: New Work – Schrecken ohne Ende oder Chance?

Globalisierung, demographischer Wandel, neue Technologien, Digitalisierung, Automatisierung, allumfassende Vernetzung und selbstbestimmtes, sinnerfüllendes Arbeiten. All das sind Schlagworte, die jeden Unternehmer seit einigen Jahren beschäftigen. Autonome Fahrzeuge und künstliche Intelligenzen werden bald zum Alltagsbild gehörten. Der wirtschaftliche und kulturelle Wandel führt dazu, dass ganze Berufsgruppen überflüssig werden. Die Arbeitswelt der letzten Jahre wurde geprägt von den Generationen X, Y und Z und der Forderung nach einer Work-Life-Balance. Diese Generationen waren die Vorboten für das Zeitalter NEW WORK.

New Work bedeutet nicht, einfach die Mitarbeiter mit neuen Technologien wie Tablets und Smartphones ausstatten und zu glauben, damit allen Anforderungen des Wandels gerecht zu werden. Die Mitarbeiter werden künftig ihre eigene Persönlichkeit in die Arbeit einbringen wollen, sich vom mündigen Bürger zum mündigen Arbeitnehmer entwickeln. Für viele ist dieser Schritt zunächst noch eine Überforderung, aber er will gegangen werden, daher sind Beratung und Begleitung der Schlüssel, um auch als erfolgreiches Unternehmen das neue Zeitalter zu erreichen. Bis jetzt klingt New Work für viele vielleicht noch wie eine Utopie, aber einiges von dieser Utopie ist heute schon Wirklichkeit. Die Idee, dass Arbeit die Menschen mit Sinn erfüllen soll, ist in den Köpfen vieler Arbeitnehmer bereits als Wunsch verankert und durch viele Studien belegt. Die Einstellung jungen Menschen und die Ansprüche an ihr Arbeitsumfeld und an sich selbst haben sich im Gegensatz zu den 90er Jahren gravierend verändert. Auch materielle Wertigkeiten verschieben sich. Ein Auto zu besitzen ist nicht mehr Ausdruck des sozialen Status.

Aber wie kommt man vom „Heute“ zur New Work? Das „Heute“ ist gekennzeichnet von Automatisierung, Arbeitsteilung und betrieblichen Hierarchien. Genau genommen gilt das sogar, im übertragenen Sinne, bereits für das klassische deutsche Schulsystem. Viele der Fähigkeiten, die im Zeitalter von New Work zentral sein werden, werden im heutigen Schulsystem schon nicht vermittelt. Wer Selbstbestimmung und Sinn in der Arbeitswelt will, muss Hierarchien abbauen. Arbeitsteilung im klassischen Sinn kann es nicht mehr geben, sie macht eine persönliche Entfaltung unmöglich. Für den unternehmerischen Alltag bedarf es somit Freiräumen, sowohl zeitlich als auch räumlich, um Entfaltung möglich zu machen. New Work bedeutet auch, dass sich Menschen unterschiedlicher Profession und Herkunft treffen und austauschen können, damit neue Ideen, Lösungen und Innovationen entstehen. Aufgaben werden nicht mehr vorrangig an Abteilungen gegeben, sondern in Projekte aufgeteilt. Es werden Teams organisiert mit denjenigen, die die besten Fähigkeiten für ein jeweiliges Projekt haben, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Mehrere Teams werden auf diese Art zu Netzwerken. Bislang waren Netzwerke relativ homogene Strukturen.
Prof. Dr. Peter Kruse, Experimentalpsychologie und Neurophysiologe sagte über Netzwerke wie diese: „Harmonische Systeme sind dumme Systeme! In der Natur entstehen Ordnungsmuster immer aus Widerspruch nicht aus Harmonie.“

Funktionierende, komplexe, heterogene und dynamische Netzwerke sind die Zukunft und elementarer Bestandteil für den Erfolg von New Work. Sie führen zu Vielfalt und Vorteilen: eine differenziertere Diskussion führt zu besseren Ergebnissen und Informationsvielfalt zu mehr Kreativität. Auch die Einsicht, dass zufriedene Mitarbeiter, die sich mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber identifizieren, motivierter, produktiver und kreativer arbeiten, verändert unsere Arbeitsstrukturen. Das Ziel im Zeitalter von New Work muss es sein, Mitarbeiter zu binden und sinnstiftende Arbeit, soziales Umfeld sowie eigene Interessen in Einklang zu bringen. So wird eine leistungsfördernde, aber gleichzeitig familiäre Atmosphäre geschaffen. Bürogebäude, Arbeitszeit- und Abteilungsmodelle werden in der bisherigen Form keinen Bestand mehr haben. New Work braucht neue Infrastrukturmodelle und Connectivität. Das Konzept des Job-Sharings spielt in New Work Modellen eine immer größere Rolle. Belegschaft und Management werden möglichst komplex und vielfältig besetzt, um viele Einflüsse und Fähigkeiten nutzen zu können. Die Gesamtheit aller Mitarbeiter mit ihren Unterschieden wie Geschlecht, Herkunft, Alter oder Behinderung wird dabei im Fokus stehen.

New Work ist anders denken und eine große unternehmerische Chance.